Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg hält im Juni 2016 auf dem Kongress der Assistentinnen in Hamburg den Vortrag „Der feine Unterschied“ zum Thema Business-Etikette. Wir haben mit ihr im Vorfeld ein kleines Interview führen dürfen und sie dabei zu den Hintergründen ihres Lieblingsthemas befragt:

Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?

Mit dem Thema Stil und Etikette befasse ich mich seit fünfundzwanzig Jahren. Vor einigen Jahren, insbesondere während meiner Tätigkeit als Personalberaterin stellte ich immer wieder fest, dass viele Bewerber einen regelrechten Nachholbedarf an Etikette haben. Häufig fängt es bei grundlegenden Dingen an, wie z.B. das Betreten des Raumes: Wer geht vor, wer links oder rechts? Wer reicht wem zuerst die Hand? Bei näherer Betrachtung des Verhaltens bei Tisch, wurde deutlich, dass viele der Bewerber überfordert waren. Vermutlich, weil ihnen die grundlegenden Regeln weder zu Hause noch in der Schule beigebracht worden sind. Das war der Anlass, mich intensiver mit dem Thema Business-Etikette zu befassen.

Beruhen gute Umgangsformen auf der Erziehung der Eltern?

Die elterliche Erziehung stellt die Basis für eine gute oder weniger gelungene Kinderstube dar. Später treten andere Einflüsse hinzu, wie Schule, soziales Umfeld, Medien usw., die die weitere Entwicklung beeinflussen.

Meinen Sie, dass die Gesellschaft heute eine besondere Sehnsucht nach guten Umgangsformen hat?

Davon bin ich überzeugt. Der Ruf nach Werten und guten Umgangsformen wird immer stärker. Unsere Gesellschaft ist inzwischen sehr multikulturell aufgestellt. Wir leben in einer globalen Welt. Viele Mitarbeiter werden in andere Länder entsandt, um dort für ihr Unternehmen zu arbeiten. Viele Menschen kommen in unser Land. Das erfordert noch mehr Augenmerk auf die Etikette, nicht nur auf die eigene. Es geht um das harmonische und funktionierende Miteinander. Und nicht zuletzt ist dieses Wissen deshalb von Bedeutung, weil die Mitarbeiter, ob zu Hause oder in der Ferne in erster Linie als die Visitenkarte des Unternehmens gesehen werden.

Haben sich die Umgangsformen im Laufe der Zeit verändert?

Die Umgangsformen halten mit der Entwicklung und den Bedürfnissen der Gesellschaft Schritt. Die meisten der Etikette-Regeln sind historisch gewachsen oder haben einen pragmatisch nachvollziehbaren Hintergrund. Manche Regel von früher gelten heute nicht mehr, zum Beispiel, wird ein Handkuss nur noch in bestimmten Kreisen praktiziert. Dafür kam das Küsschen links und rechts hinzu. Ein weiteres Beispiel ist das Schneiden von Eiern oder Kartoffeln. Früher waren die Messer nicht legiert. Deshalb lief das Silber durch die Berührung mit Stärke schwarz an. Heute sind Materialien so beschaffen, dass diese Gefahr gebannt ist. Somit kann diese Regel ignoriert werden. Aber auch hier muss erwähnt werden, dass die von einer Gabel elegant zerteilte Kartoffel viel besser die Soße aufnimmt, als die glatte Oberfläche derer, die geschnitten wurde. Ein anderes Beispiel, welches die praktische Begründung verdeutlicht, ist zum Beispiel die Regel, wie man ein Glas hält. Wenn Sie ein Sektglas nicht am Kelch, sondern am Stiel halten, so geschieht dies aus einem leicht nachvollziehbaren Grund. Zum einen, hinterlassen  die Finger auf dem Glas fettige Abdrücke, was einen unästhetischen Anblick verursacht. Zum anderen, schmeckt der Wein nur bei der richtigen Temperierung. Die Hand am Glaskelch würde die Temperatur beeinträchtigen. Diese Regel galt früher gleichermaßen wie sie heute gilt.

Prinzessin-Sachsen-AltenburgNennen Sie bitte die fünf wichtigsten Tipps im Hinblick auf die Tischetikette, die man auf jeden Fall beachten sollte.

So würde ich es nicht sehen, denn alle Regeln sind wichtig. Es handelt sich schließlich um die grundlegenden Dinge des Alltags. Wenn sie die eine Regel kennen und die andere nicht, treten Sie früher oder später in ein Fettnäpfchen. Eine kleine Auswahl:

  1. Einen guten Appetit zu wünschen, ist generell umstritten. In der Regel tut man es nicht, vor allem beim Geschäftsessen. Befinden Sie sich allerdings in einer Runde, die diese Sitte pflegt, überlassen Sie den Vortritt auf jeden Fall der Gastgeberin. Sie ist schließlich diejenige, die das Essen eröffnet. Würden Sie als Gast der Gastgeberin zuvorkommen, könnte das als anmaßend empfunden werden.
  2. Die Serviette wird weder um den Hals gebunden, noch über dem Ausschnitt drapiert. Vielmehr wird sie doppelt gefaltet und mit der geschlossenen Seite in Richtung Knie auf den Schoß gelegt. Vor jedem Griff zum Glas tupfen Sie sich die Lippen ab. Benutzt wird nur die Innenseite. So lässt es sich vermeiden, dass der Sitznachbar die Gebrauchsspuren sieht.
  3. Häufig werde ich in meinen Seminaren gefragt, ob das Anstoßen heutzutage angebracht ist. Meine Antwort lautet: Ja, bei besonderen Gelegenheiten in einer kleinen, vertrauten Runde. Im Alltag verzichten Sie besser darauf, ebenso an einer großen Tafel. So wird sich kein Gast benachteiligt fühlen.
  4. Das Handy hat bei einem Essen nichts verloren. Erwarten Sie einen wichtigen Anruf, wird es bei Tisch auf lautlos oder auf Vibration gestellt. Auf gar keinen Fall legen Sie es auf den Tisch. Kommt der erwartete Anruf, entschuldigen Sie sich bei den Anwesenden und gehen raus, um das Gespräch anzunehmen.  Selbstverständlich halten Sie das Telefonat sehr kurz.
  5. Vor allem sollte jeder Mensch seine Herzensbildung pflegen. Toleranz, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit und Respekt dem Mensch und der Natur gegenüber sind Werte, die das Miteinander harmonischer und wertvoller machen.

Gerne möchte ich Ihre Frage mit einem Zitat aus meinem Buch „Der feine Unterschied. Erfolg durch sicheres Benehmen in jeder Lebenslage“ beantworten. „Gute Umgangsformen sind zeitlos und um sie zu lernen, ist es nie zu spät. Außerdem meine ich: Ein kleiner, aus Unwissenheit verursachter Fauxpas ist weniger unmanierlich als das respektlose und unhöfliche Miteinander, welches absichtlich und bewusst herbeigeführt wird. Darin liegt „der feine Unterschied“. Mehr Referenten des Hamburger Assistentinnen Kongresses

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