Chefentlastung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Bereich der professionellen Assistenz. Was aber, wenn der/die Vorgesetzte Ihnen zu wenig zu traut, oder nicht gerne Aufgaben delegiert!?

Wenn Sie von Ihrer Qualifikation überzeugt sind und gerne verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen wollen, müssen Sie handeln. Hier ist oft einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Von Bedeutung kann dabei sein, mit welchem Menschentyp/ oder auch Cheftyp Sie zu tun haben. Nicht jede/r Chef/in lässt sich mit einem endlosen Vortrag über Ihre eigenen Fähigkeiten überzeugen. Hier ist auch ein wenig psychologisches Feingefühl gefragt. Gehen Sie taktisch vor. Mit dieser Übersicht über die verschiedenen Cheftypen und wie man sie überzeugen kann, können Sie den nächsten Schritt in Ihrer Karriere gehen und treffen den richtigen Ton.

Die Typisierung lässt sich im Übrigen nicht nur beim Vorgesetzten anwenden, auch Kunden oder Kollegen können Sie bestimmte Eigenschaften zuteilen. Mit den Überzeugungstipps fällt Ihnen hoffentlich auch hier die Zusammenarbeit leichter.

Stereotypen existieren (nicht)!?

Vielleicht werden Sie in Ihrem Büro nicht den genau zutreffenden Stereotypen als Chef/in vorfinden (das ist vielleicht auch besser so), aber zumindest sollten Sie bestimmte Eigenschaften wiederfinden und können entsprechend darauf eingehen. Wir unterscheiden zunächst zwischen folgenden Charakteren:

  • Der (spontane) Kreative: Trifft schnell Entscheidungen, die er aber auch gerne wieder revidiert. Hat Visionen und ist offen für Neues. Vergisst gerne Termine und ist meist eher unorganisiert.
  • Der (sachorientierte) Pragmatiker: Kommt schnell auf den Punkt und drückt sich oft kurz und knapp aus. Erwartet, dass andere mit seinem Denken mithalten können. Sieht die meisten Dinge eher rational. Findet jeden Fehler. Vergisst selten Dinge (positive und negative). Tritt eher distanziert auf.
  • Der (schweigsame) Logiker: Spricht nicht viel, ein Gespräch zu beginnen ist oft nicht einfach. Braucht länger für einen Entscheidungsprozess, weil er alles genau abwägt. Handelt selten spontan. Bevorzugt Zahlen, Daten, Fakten, Gefühle verunsichern ihn. Spricht ungern Dinge an, Wünsche, Meinungen und Probleme behält er eher für sich. Fühlt sich emotional schnell angegriffen und verteilt selten Lob oder Kritik.
  • Der (expressive) Gefühlsmensch: Ihm ist das gute Miteinander sehr wichtig. Verlangt und gibt gerne Feedback. Verteilt gerne Lob und legt Wert auf Harmonie. Hat es manchmal schwer, sich durchzusetzen und zu überzeugen.
  • Der (aggressive) Dominate: Ist mehr der selbstbewusste Typ, der sich ungerne etwas von anderen sagen lässt. Er stellt hohe Ansprüche an sich selber und traut anderen meist weniger zu. Spricht laut und arbeitet mit ausladender Gestik. Unterbricht sein Gegenüber gerne in der Diskussion. Stellt gerne Regeln auf. Schätzt Kompetenz mehr als Freundlichkeit.

Überzeugungsarbeit richtig leisten

Ordnen Sie Ihr Gegenüber (Chef/in, Kollege/in usw.) so gut wie möglich in die unterschiedlichen Kategorien ein. Für jeden Stereotyp gibt es einen eigenen Überzeugungsweg.

  • Der (spontane) Kreative: Präsentieren Sie Ihre Ideen und Neuerungen anschaulich und interessant, so bekommen Sie seine Aufmerksamkeit. Verwickeln Sie sich nicht zu sehr in Details, sonst ist er schnell gelangweilt. Ein Argument könnte zum Beispiel sein, dass er mehr Zeit für sich und seine Visionen hat, wenn er mehr an Sie delegiert. Oft reicht es aus, sich das Einverständnis einfach zu holen, das Sie mit der neuen Aufgabe anfangen dürfen. Dann sind Sie allerdings meist auf sich allein gestellt, können dafür aber einfach beginnen.
  • Der (sachorientierte) Pragmatiker: Versuchen Sie freundlich, aber neutral aufzutreten, enthusiastische Begeisterung könnte ihn verunsichern. Ironie ist hier fehl am Platz, zeigen Sie gut strukturiert die Vorteile einer Aufgabenübertragung auf. Vermeiden sich ausführliche und umfangreiche Präsentationen, arbeiten Sie lieber mit Fakten und einem guten Fazit. Handfeste Argumente überzeugen hier mehr als freundliche Bitten. Ihn interessiert der Nutzen, der für alle Beteiligten herauskommt.
  • Der (schweigsame) Logiker: Legen Sie weniger Wert auf Ihre verbale Präsentation, sondern achten Sie auf eine gute schriftliche Ausführung. Arbeiten Sie eher mit quantitativen Daten/ Zielen oder (wenn möglich) mit Statistiken. Geben Sie ihm genug Raum und Zeit, Ihre Aussagen zu überdenken und erwarten Sie keine schnelle Entscheidung. Wenn möglich schreiben Sie ihm jeden einzelnen geplanten Schritt genau auf. Bauen Sie Vertrauen auf, in dem Sie Zuverlässigkeit signalisieren und ihn nicht mit zu vielen Argumenten und Fragen belasten.
  • Der (expressive) Gefühlsmensch: Treten Sie nicht zu dominant auf. Seien Sie freundlich und drücken Sie Ihre Wünsche positiv aus. Betonen Sie, wo die Entlastungen für die Beteiligten liegen. Erklären Sie ausführlich Ihre Beweggründe. Sie dürfen gerne auch mit persönlichen Anliegen argumentieren.
  • Der (aggressive) Dominate: Lassen Sie sich auf keinen Fall von der dominanten Art provozieren und treten Sie selbstbewusst und stark auf (suchen Sie z.B. gezielt den Blickkontakt). Bereiten Sie sich optimal vor, da Sie nicht viel Zeit haben, auf ihn zu reagieren. Hören Sie sich genau seine Sichtweise an und stellen Sie gezielte Fragen. Das zeigt ihm Ihre Professionalität. Reagieren Sie auf Gegenargumente analytisch und schnell. Zeigen Sie ihm den Nutzen auf, den er davon tragen könnte.

Noch mehr psychologisches Fachwissen, das Sie in Ihrer Funktion weiterbringen wird, können Sie in unserem Seminar „Mit Psychologie clever agieren“ erlernen.
 

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